WST und bzi – gemeinsam stärker für das Berner Oberland
Die Weiterbildungslandschaft entwickelt sich dynamisch – auch im Berner Oberland. Neue digitale Möglichkeiten, vielfältigere Lernangebote und ein sich wandelnder Arbeitsmarkt eröffnen Bildungsinstitutionen spannende Perspektiven. Vor diesem Hintergrund haben die Wirtschaftsschule Thun (WST) und das Bildungszentrum Interlaken bzi ihre langjährige Zusammenarbeit weiter vertieft. Gemeinsam wollen sie die Weiterbildungsangebote im Oberland stärken und für die Zukunft gezielt ausbauen – zum Vorteil der regionalen Wirtschaft und aller Weiterbildungsinteressierten.
20. April 2026

Das bzi in Interlaken arbeitet eng mit der WST und der WKS KV Bildung zusammen.
Die Gründe für die engere Kooperation sind vielfältig. «Wir haben festgestellt, dass die Anfragen und Anmeldungen nach Corona zurückgegangen sind», sagt Esther Escher, Abteilungsleiterin Weiterbildung & Beratung des Bildungszentrums Interlaken bzi. Lehrgänge, die früher jährlich durchgeführt wurden, fanden plötzlich nur noch alle zwei Jahre statt, wenn überhaupt. «Das hat uns nachdenklich gestimmt. Als Schule plant man langfristig und möchte Angebote verlässlich aufrechterhalten.» Auch Stefan Zbinden, Leiter Weiterbildung der Wirtschaftsschule Thun, beobachtet eine zunehmende Unsicherheit im Markt: «Während Corona konnten wir viele Bildungsgänge weiterführen, danach stellten wir vorübergehend eine gewisse Bildungsmüdigkeit fest. Gleichzeitig ist die Vielfalt an Bildungsanbietern riesig geworden. Mit Online-Unterricht ist plötzlich nicht mehr ein Anbieter in Interlaken oder Thun Konkurrenz, sondern die ganze Schweiz.» Zudem seien auch Unternehmen zurückhaltender geworden, wenn es darum gehe, in Weiterbildung zu investieren.
Planungssicherheit für Teilnehmende
Bereits per 1.1.2022 haben die WST und WKS KV Bildung AG ihre Weiterbildungsabteilungen zusammengeschlossen. Per Anfang 2025 wurde mit dem bzi ein weiterer Partner in das regionale Weiterbildungsnetzwerk aufgenommen. Durch eine Bündelung der Kräfte soll der Weiterbildungsmarkt im Raum Bern, Berner Oberland und Oberwallis gezielter bearbeitet und die Marktposition gestärkt werden. Den Kund:innen im Berner Oberland wird dank dem Zusammenschluss regional ein breiteres Angebot zur Verfügung gestellt. Im Zentrum der Kooperation steht deshalb die Verlässlichkeit, betont bzi-Weiterbildungsleiterin Esther Escher. «Durch die Bündelung der Kräfte können an den drei Standorten auch kleinere Klassen geführt werden. Dank der Kooperation können wir in Interlaken Bildungsgänge mit zehn Personen durchführen, die wir allein hätten absagen müssen», so Escher. Das schaffe Sicherheit – für die drei Schulen ebenso wie für die Teilnehmenden.
Das bzi, die WST und WKS KV Bildung AG werden weiterhin unter den bestehenden, lokal verankerten Marken auftreten. Alle drei Schulstandorte bleiben erhalten und sollen durch den organisatorischen Zusammenschluss gestärkt werden. So sind an den jeweiligen Standorten weiterhin eigenständige Weiterbildungsangebote geplant, die den Bedürfnissen des regionalen Marktes Rechnung tragen. Auch die Betreuung der Kursteilnehmer:innen erfolgt weiterhin vor Ort. «Für Kund:innen ist der Zusammenschluss eigentlich kaum spürbar», erklärt Esther Escher. Sichtbar wird die Kooperation höchstens administrativ. «Es ist eine Zusammenarbeit im organisatorischen Hintergrund», präzisiert Stefan Zbinden.
Bildung nahe beim Menschen
Ein zentrales Anliegen beider Institutionen ist die Präsenz vor Ort. «Ich bin überzeugt, dass wir – gerade als Randregion – mit der Bildung zu den Menschen müssen», sagt Zbinden. Das Berner Oberland sei geografisch weitläufig, die Wege lang, insbesondere im Winter. Ein Abendkurs in Bern zu besuchen, komme für viele potenzielle Weiterbildungsinteressierte aus dem Oberland nicht in Frage. Esther Escher betont zudem die Bedeutung des persönlichen Kontakts: «Das Digitale ist ein gutes Hilfsmittel, aber reine Online-Weiterbildungen sind nicht die Zukunft. Menschen wollen vor Ort sein, Beziehungen aufbauen und Netzwerke schaffen.» Weiterbildung sei mehr als Wissensvermittlung – sie sei auch Begegnung und Erlebnis.
Gemeinsame Schwerpunkte entwickeln
Mit der Kooperation eröffnen sich neue Perspektiven. Beide Schulen – WST und bzi – möchten künftig gemeinsame Schwerpunkte setzen und das Angebot für das gesamte Oberland weiterentwickeln. Denkbar sind neue Programme in zukunftsorientierten Bereichen wie Informatik oder Cybersecurity. «Wir wollen eine breite Palette im Berner Oberland anbieten – mit der nötigen Durchführungssicherheit», so Zbinden. Für Escher ist klar: «Alleine könnten wir gewisse Angebote gar nicht aufbauen. Gemeinsam hingegen können wir Themen entwickeln, die für das ganze Oberland relevant sind.» Die Zusammenarbeit ermögliche es, Kompetenzen zu bündeln, voneinander zu lernen und neue Zielgruppen zu erreichen. Die Integration des bzi erfolgte per 1. Januar 2025 mit einem Übergangsjahr; seit Anfang 2026 ist die Zusammenarbeit vollständig etabliert.
Blick nach vorne
Für Esther Escher ist die Kooperation auch persönlich ein spannender Schritt. Sie wird künftig, gemeinsam mit Marion Engeler (WST) und Konrad E. Moser (WKS KV Bern) einen Teil der Aufgaben von Stefan Zbinden übernehmen, darunter beispielsweise die Leitung der Payroll-Bildungsgänge und die Vertretung der Weiterbildung Berner Oberland im Leitungsgremium Weiterbildung der WKS KV Bildung. Nach 40 Jahren im Dienst der Bildung steht bei Zbinden im Januar 2027 die Pensionierung an. Mit Zbindens Pensionierung geht eine Ära zu Ende, gleichzeitig markiert sie einen Neubeginn. «Es ist Zeit für neue Gedanken und neue Ideen», so Zbinden. Die Nachfolge ist geregelt, die Verantwortlichkeiten sind klar verteilt – ein weiteres Zeichen für die Stabilität der Partnerschaft.
Marion Engeler übernimmt 2027 die Leitung der Weiterbildungsabteilung in Thun sowie die Bildungsgangsleitung der Handelsschule kv edupool. Als langjährige Mitarbeiterin im Bereich Weiterbildung in Thun war sie in den letzten Jahren erste Anlaufstelle für Referent:innen und Weiterbildungsteilnehmende und hat Prüfungen sowie Abschlussfeiern organisiert. Ursprünglich hat Marion Engeler eine kaufmännische Ausbildung in der Finanzbrache absolviert und anschliessend langjährige Erfahrung im Management Support und der Kundenpflege bei einem grösseren Finanzplanungsinstitut gesammelt. Daneben hat sie sich stets in verschiedenen Vereinen engagiert und besitzt ein grosses Netzwerk im Raum Thun. Letztes Jahr kam die Weiterbildung zur Eventmanagerin mit Sponsoring dazu.
Konrad E. Moser übernimmt ab 2027 die Vertretung der Weiterbildung der WST gegen Aussen. Koni Moser betreut aktuell die Bildungsgänge Expert:in in Rechnungswesen und Controlling, Fachausweis Finanz- und Rechnungswesen, Fachausweis Sozialversicherungen sowie Sachbearbeiter:in Sozialversicherung. Er bringt grosse Erfahrung im Führen von Bildungsgängen mit. Als Gemeinderat in Steffisburg ist er sehr gut im Berner Oberland vernetzt, was ideal für die Interessenvertretung der WST in diesem Raum ist.